Mit aufgerichteten langen Ohren, wachen Augen und einem federnden Hüpfen ist der Feldhase ein unverkennbarer Bewohner unserer Feldlandschaften. In der Dämmerung verwandeln sich seine flinken Bewegungen in ein faszinierendes Schauspiel – Wendungen, Haken und Sprints mit bis zu 70 km/h machen ihn zum unangefochten talentiertesten Flüchter der Wiesenwelt.

Der Feldhase ist auf offene Flächen angewiesen – Äcker, Wiesen oder Feldraine – und ungleich anders als das unterirdisch lebende Kaninchen. Tagsüber ruht er in Bodenmulden, den sogenannten „Sassen“, und wird in der Dämmerung aktiv. Dann beginnt die Nahrungssuche: Kräuter, Feldfrüchte und im Winter selbst Rinde und Knospen, die er geschickt nutzt, um das ganze Jahr über zu überleben.
Im Frühling verleiht die so genannte „Hasenhochzeit“ ihm eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Männchen und Weibchen liefern sich tänzerische Hetzjagden, schlagen spielerisch mit den Pfoten – ein Schauspiel, das genauso wild wie liebevoll wirkt und zugleich seine Fortpflanzungsstrategie markant macht. Die Kits, sehr schnell selbstständig als Nestflüchter, sorgen für den Fortbestand in einer oft rauen Umgebung.

Erfreulicherweise erhält der Feldhase in Hessen bundesweit eine überraschende Rolle – die Bestände haben in vielen Regionen zugenommen oder bleiben stabil. Bereits im Herbst 2024 lag die Dichte landesweit bei über 28 Hasen pro Quadratkilometer Offenland – ein klarer Zuwachs von etwa 12 % gegenüber dem Vorjahr (echo-online.de, ljv-hessen.de).

Im Umfeld des Hessischen Rieds, besonders im Kreis Groß-Gerau, düst der Hase teils überraschend zahlreich: 30 bis 50 Tiere pro 100 Hektar – in besonders geeigneten Regionen sogar 70 bis 100 Exemplare (echo-online.de). Im Herzstück des Rieds, zwischen Geinsheim und Trebur, spricht man im Herbst sogar von bis zu 100 Hasen pro 100 Hektar – eine dichte Spiegelung der naturnahen Feldstrukturen (echo-online.de).
Insgesamt scheint es dem Feldhasen, begünstigt durch trockene Frühjahre, besser zu gehen – sowohl regional im Hessischen Ried als auch landesweit (faz.net). Doch trotz dieser ermutigenden Zahlen bleibt sein Bestand in Hessen langfristig gefährdet – seit den 1980er Jahren ging er landesweit um bis zu 75 % zurück, vor allem durch intensiven Ackerbau, Pestizideinsatz und Habitatverlust (wildtierschutz-deutschland.de).

Im Kreis Groß-Gerau und im Hessischen Ried wird der Feldhase dennoch zum Zeichen, dass traditionelle Offenlandschaften – mit Buntheit, Feldrainen und extensiver Bewirtschaftung – Lebensraum bieten können. Wer heute im Feld in der Dämmerung einen Feldhasen sieht, erlebt weit mehr als ein Tier: Er erlebt ein lebendiges Zeichen dafür, wie Vielfalt und sensible Kulturlandschaften auch unsere Naturgeschichte sichern.